Budget 2027 Kanton Zürich: Schwarze Zahlen auf dem Papier - rote Zahlen in der Kasse

Das Budget 2027 des Kantons Zürich sieht auf den ersten Blick erfreulich aus: Die Erfolgsrechnung rechnet mit einem Überschuss von 207 Millionen Franken. Doch der Blick in die Finanzierungsrechnung zeigt ein anderes Bild. Dort fehlen 187 Millionen Franken. Zürich schreibt schwarz – und finanziert rot.
Das letzte Budget von Finanzdirektor Ernst Stocker fällt deutlich besser aus als das Budget 2026. Dazu tragen vor allem die gute Wirtschaftslage und höhere Steuererträge bei. Das verdient Anerkennung. Ernst Stocker übergibt dem Kanton nach vielen Jahren verlässlicher Finanzpolitik einen grundsätzlich geordneten Haushalt.
Gerade deshalb muss die nächste Regierung seinen Kurs von Verlässlichkeit und Ausgabendisziplin weiterführen.
207 Millionen Überschuss – aber 187 Millionen fehlen in der Kasse
Der ausgewiesene Überschuss in der Erfolgsrechnung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kanton seine hohen Investitionen weiterhin nicht vollständig aus eigener Kraft finanzieren kann. Die Finanzierungsrechnung weist für 2027 ein Defizit von 187 Millionen Franken aus.
Hinzu kommt: Im Ergebnis der Erfolgsrechnung ist eine Pauschalkorrektur von 200 Millionen Franken für erwartete Kreditreste enthalten. Der Regierungsrat geht also davon aus, dass bewilligte Kredite nicht vollständig ausgeschöpft werden. Diese Annahme ist nicht unzulässig, sie relativiert aber die Aussagekraft des Überschusses.
«207 Millionen Überschuss auf dem Papier, aber 187 Millionen Defizit in der Kasse: Zürich schreibt schwarz und finanziert rot. Trotz massiv höherer Steuererträge wächst der Staat auf Pump. Deshalb prüfen wir für 2027 einen Ausgabenstopp: neue Ausgaben nur gegen Einsparungen.»
Marc Bochsler, Kantonsrat und Mitglied der Finanzkommission
Bis 2030 fehlen in der Finanzierung rund 1,8 Milliarden Franken
Die Mehrjahresplanung verschärft das Bild. Für 2027 bis 2030 rechnet der Kanton jedes Jahr mit einem Finanzierungsdefizit:
187 Millionen Franken im Jahr 2027
589 Millionen Franken im Jahr 2028
624 Millionen Franken im Jahr 2029
436 Millionen Franken im Jahr 2030
Zusammen ergibt das rund 1,84 Milliarden Franken.
Parallel dazu steigen die Nettoschulden I gemäss Planung von 4,8 Milliarden Franken im Jahr 2027 auf 6,5 Milliarden Franken im Jahr 2030.
Hohe Investitionen sind notwendig, doch nicht jedes Projekt ist gleich dringlich. Sicherheit, Verkehr und zwingende Infrastruktur müssen Vorrang haben. Was wünschbar, aber nicht notwendig ist, muss warten.
600 Millionen Franken mehr Steuern – und trotzdem neue Schulden
Die Nettosteuern steigen gegenüber dem Budget 2026 um rund 600 Millionen auf 10,0 Milliarden Franken. Allein für die laufende Steuerperiode erwartet der Regierungsrat bei den natürlichen Personen 252 Millionen und bei den juristischen Personen 116 Millionen Franken mehr.
Trotz dieser Mehreinnahmen wächst der Aufwand von 20,4 Milliarden Franken im Budget 2026 auf 20,8 Milliarden Franken im Jahr 2027. Bis 2030 soll er 22,4 Milliarden Franken erreichen.
Wenn der Staat trotz stark steigender Einnahmen neue Schulden aufbaut, liegt das Problem nicht auf der Einnahmen-, sondern auf der Ausgabenseite.
1’480 zusätzliche Vollzeitstellen in einem Jahr
Besonders deutlich zeigt sich das Staatswachstum beim Personal. In den Direktionen und der Staatskanzlei sind gegenüber dem Budget 2026 netto 684 zusätzliche Vollzeitstellen geplant. Bei Spitälern, Hochschulen und weiteren Konsolidierungskreisen kommen netto 796 Stellen hinzu.
Insgesamt sind das rund 1’480 zusätzliche Vollzeitstellen in nur einem Jahr.
Wichtige Stellen an der Front – etwa für Sicherheit, Gesundheit oder Unterricht – können notwendig sein. In Verwaltungen, Stäben und rückwärtigen Diensten darf das Wachstum hingegen nicht einfach weitergehen.
Jede neue Stelle muss klar begründet und, wo immer möglich, durch Priorisierung oder den Abbau anderer Aufgaben kompensiert werden.
Zürich verliert bei der Ressourcenstärke an Boden
Auch die Entwicklung des Ressourcenindex ist ein Warnsignal. Der Zürcher Index ist seit 2023 von 123,1 auf 115,0 Punkte im Jahr 2027 gefallen. Schaffhausen liegt 2027 mit 116,1 Punkten erstmals leicht vor Zürich.
Der Index 2027 bildet zwar die wirtschaftlichen Verhältnisse der Jahre 2021 bis 2023 ab. Der Trend zeigt dennoch: Andere ressourcenstarke Kantone gewinnen an Stärke, während Zürich zurückfällt.
Das schwächt auf Dauer die steuerliche Wettbewerbsfähigkeit des Kantons Zürich.
Der finanzpolitische Druck nimmt weiter zu
Bereits 2027 belastet das Entlastungspaket des Bundes den Zürcher Haushalt mit 50,3 Millionen Franken. Über die Planungsperiode 2027 bis 2030 summiert sich diese Mehrbelastung auf 201,2 Millionen Franken.
Ab 2028 kommt mit der einheitlichen Finanzierung der ambulanten und stationären Gesundheitsleistungen, kurz EFAS, eine jährliche Mehrbelastung von mindestens 200 Millionen Franken hinzu.
Diese Herausforderungen sind real. Sie sind aber kein Argument für ungebremstes Staatswachstum, sondern für klare Prioritäten. Je später der Kanton handelt, desto einschneidender werden die notwendigen Korrekturen.
Was jetzt zu tun ist
1. Ausgabenstopp statt Staatswachstum
Der beeinflussbare Staatsaufwand soll auf dem Stand des Budgets 2026 eingefroren werden. Neue Ausgaben sind vollständig an anderer Stelle einzusparen.
2. Personalwachstum steuern
Notwendige Frontstellen ja – zusätzliche Verwaltungs- und Stabsstellen nur bei ausgewiesenem Bedarf.
3. Investitionen priorisieren
Sicherheit, Verkehr und zwingende Infrastruktur haben Vorrang. Nicht dringliche Vorhaben sind zu verschieben.
4. Schuldenbremse stärken
Die Finanzierungsrechnung muss stärker in die mittelfristige Haushaltssteuerung einbezogen werden. Ein ausgeglichenes Ergebnis auf dem Papier genügt nicht, wenn gleichzeitig die Schulden steigen.
5. Steuerzahler entlasten
Wenn die Steuererträge dauerhaft höher ausfallen, muss dies in der nächsten Steuerfussperiode eine weitere Entlastung der Bevölkerung und der Unternehmen ermöglichen.
Fazit: Ein gutes Ergebnis ist kein Freipass
Das Budget 2027 ist besser als befürchtet, aber schlechter, als es der Überschuss von 207 Millionen Franken vermuten lässt. Die Steuererträge steigen stark, gleichzeitig wachsen Aufwand, Personalbestand und Schulden weiter.
Deshalb braucht Zürich jetzt Ausgabendisziplin, eine konsequente Priorisierung der Investitionen und eine Schuldenbremse, die auch die tatsächlichen Geldflüsse berücksichtigt.
Der solide Haushalt, den Ernst Stocker hinterlässt, ist kein Freipass für die nächste Regierung. Er ist ein Auftrag, mit dem Geld der Steuerzahler sorgfältig umzugehen und die finanzielle Handlungsfähigkeit des Kantons Zürich für die nächste Generation zu sichern.



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